Wie sage ich es meinen Kindern

… oder Verständnisvolle Scheidungskinder gibt es nicht

Niemand wünscht es sich, und doch passiert es mehr als 100.000-mal pro Jahr:

Eine Familie zerbricht – die Eltern trennen sich. Weil Kinder Mama und Papa lieben, gibt es für sie kaum etwas Schlimmeres.

Die wenig beachtete Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Kinder heute mehr als früher Angst davor haben, dass ihre Eltern sich trennen könnten. Sie kennen ja so viele, bei denen das passiert ist. Selten äußern sie diese Angst direkt, aber sie begleitet sie, zum Beispiel, wenn ihre Eltern sich heftig streiten

Für diese Angst gibt es einen einfachen Grund: Kinder wollen einfach nicht, dass ihre Eltern sich trennen. Sie wollen, dass ihre Eltern zusammenbleiben, möglichst lange, und aus kindlicher Perspektive am besten: ein Leben lang.

Das Gegenteil zu behaupten ist falsch. Wenn Eltern sich trennen oder scheiden lassen, sind die Kinder unglücklich. Um es aber gleich vorweg zu sagen: das bedeutet nicht, dass sie ihr Leben lang unglücklich bleiben müssen! Die große Mehrheit von ihnen wird im späteren Leben Kindern aus “normalen” Familien nicht nachstehen, etwa was ihre Beziehungsfähigkeit angeht oder den Erfolg in Schule und Beruf. Das haben zwei große Scheidungsstudien in den USA zeigen können, die Scheidungskinder über Jahrzehnte beobachtet haben.

Die Studien haben aber auch gezeigt, dass für Scheidungskinder ein höheres Risiko besteht, mit ihrem Leben nicht gut zurechtzukommen, wenn ihre Eltern sich nicht an bestimmte Verhaltensregeln halten.

Zunächst aber stellt die Trennung für die betroffenen Kinder eine Tragödie dar. Wenn Mutter oder – wie in den meisten Fällen – der Vater auszieht, geht für das Kind unwiederbringlich eine Epoche zu Ende und das Leben wird nie mehr so sein wie vorher. Seine Eltern mögen eine Welt verlieren, das Kind verliert seine ganze Welt. Hinzukommt die große Unsicherheit, die besonders das kleine Kind in seinem Innersten empfindet: Wenn der eine geht, warum dann nicht auch der andere? Vielleicht nicht gleich, aber irgendwann? Lehrer berichten von Kindern, die kurz nach einer Trennung nicht nach Hause gehen wollen aus Angst, dass sie dort niemanden mehr antreffen.

Wenn man bei/oder nach der Trennung einige Grundsätze beachtet, kommen die Kleinen besser mit dieser schwierigen Situation zurecht.

Klingt einfach ist es aber nicht! Ich habe viel im Internet und in Büchern recherchiert, eine Menge gefunden, gelesen, mit Freunden diskutiert und musste für mich persönlich feststellen das es KEIN Patentrezept für solche Situationen gibt!

Jeder muss also tatsächlich für sich und seine Kids herausfinden was das „Beste“ für die Kinder ist. Dazu kommt der „Gegenpart“ sprich der jeweils ehemalige Partner der auch „mitspielen“ muss!

Da wird es meistens schon schwierig…

Ein paar grundlegende Dinge sollten dennoch beachtet werden.

der wichtigste Punkt meiner Meinung nach ist:

Auch wenn’s schwer fällt: Macht den Ex-Partner nicht schlecht

Damit Euer Kind, oder Kinder mit der Trennungssituation leichter klarkommen, sollte von beiden Eltern das Signal kommen: „Es ist in Ordnung, wenn du bei Papa/Mama bist und ihn/sie lieb hast.“

Selbst wenn sich der ausgezogene Elternteil wenig um das gemeinsame Kind kümmert, solltet Ihr vor Eurem Kind nicht abwertend über ihn reden. Damit würdet Ihr es nämlich in einen Loyalitätskonflikt stürzen: Kinder lieben beide Eltern, und wenn der eine davon schlecht gemacht wird, haben sie oft das Gefühl, diesen verteidigen zu müssen.

Doch damit stellt Ihr euch wieder gegen den anderen Elternteil. Aus diesem Grund sollten Kinder bis zur Pubertät auch nicht selbst entscheiden müssen, bei wem sie leben wollen.
Auch wenn nach einer Trennung vieles anders ist und Ihr wegen einer aufgenommenen Berufstätigkeit oder Ihrer angeschlagenen psychischen Verfassung eher weniger Zeit für Euer Kind habt, solltet Ihr versuchen, trotzdem immer wieder Extra-Zeit für Euer Kind / oder Kinder zu reservieren.

Denkt außerdem daran, dass Eure Familie nicht nur aus Vater, Mutter und Kind/Kindern besteht: Der Kontakt zu Großeltern sowie anderen Verwandten von Mutter und Vater hilft Euerm Kind/Kindern, seine Wurzeln nicht zu verlieren

Was man auch wissen sollte: Kinder suchen die Schuld für die Trennung ihrer Eltern häufig bei sich: “Hätte ich doch mehr aufgeräumt, hätte es auch nicht immer diesen Krach gegeben.” “Wäre ich doch besser in der Schule gewesen … .” Oder: “Weil ich da bin, haben sie sich ständig gestritten.” Sätze wie: “Du machst es uns alles nur noch schwerer, mit deinen ständigem Gequengel und Getue” nehmen besonders kleinere Kinder wörtlich!

Alle wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass besonders die ersten zwei Jahre nach der Trennung für die Kinder am schwierigsten zu bewältigen sind. Hier brauchen sie die meiste Unterstützung. Bekommen sie diese von beiden Eltern, stehen die Chancen gut, das Geschehene positiv zu verarbeiten.

Das sollten alle Eltern nicht nur wissen, sondern auch beherzigen. Die Verantwortung liegt bei ihnen – nicht bei den Kindern. Deswegen ist es so wichtig, wie sie von Anfang an mit der Trennung umgehen. Dazu gehört auch, wie sie es ihrem Kind oder ihren Kindern sagen.

Gerade für Kinder bis zum Schulalter ist die stabile Bindung zu beiden Elternteilen ein zentraler Punkt für ihre Entwicklung. Wenn Mutter und Vater es trotz ihrer eigenen Trauer und Enttäuschung nach der Trennung schaffen, gemeinsam zum Wohle des Kindes zu entscheiden, müssen die Kleinen langfristig nicht unter dem Verlust eines Elternteils leiden. Denn unter einer Trennung (ohne langen, hässlichen Rosenkrieg!) leiden alle Beteiligten – Eltern wie Kinder – in der Regel weniger als unter einer trostlosen, lieblosen und von Streit geprägten Familiensituation.

Lasst die Trennung nicht zu einem Tabuthema werden, sondern zeigt Gesprächsbereitschaft.

Dafür bietet sich der Einstieg über Bilderbücher zum Thema Trennung und Scheidung (für Kinder ab drei bis vier Jahren) an, z. B.:

• „Hast du mich noch lieb?“ von R.Michl und E. Dietl (Sauerländer 2003; 32 Seiten; 13,90 €)
• „Papa wohnt nicht mehr bei uns“ von S. Schneider und M.Weber (Betz 2004; 32 Seiten; 12,95 €)
• „Und Papa seh ich am Wochenende“ von M. Baumbach und J. Lieffering (Gabriel 2006; 32 Seiten; 12,90 €)

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den unendlichen Weiten der zur Verfügung stehenden Mittel.

Quelle:
http://www.elternwissen.com
Psychologe Claus Koch

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